Implantate
Was sind Implantate?
Zahnimplantate sind künstliche Zahnwurzeln, die fest in den Kieferknochen eingepflanzt werden. Sie nehmen dort den Platz der verloren gegangenen Zahnwurzel ein, verwachsen mit dem Knochen und werden zum festen Bestandteil des Kiefers. Diese künstlichen Zahnwurzeln werden nach der Einheilphase (die Zeit, die das Implantat benötigt, um mit dem Kieferknochen zu verwachsen) mit einer Krone versorgt, die sich optisch nicht von den natürlichen Zähnen unterscheidet. Mit einer implantatgetragenen Versorgung kann man wieder richtig zubeißen – genau wie mit natürlichen Zähnen.
Bei einem drohenden Zahnverlust stellt sich zugleich die Befürchtung ein, an Lebensqualität zu verlieren. Nicht ohne Grund, denn oftmals tauchen mit den herkömmlichen Lösungen wie Brücken, Teil- und Vollprothesen Schwierigkeiten beim Sprechen und Essen auf. Eine Alternative in der heutigen Zahnheilkunde sind Implantate. Die künstlichen Wurzeln werden im Kiefer verschraubt und fühlen sich an wie die echten Zähne. Mittlerweile steht hinter dieser Therapie fast ein halbes Jahrhundert an intensiver Forschung und Entwicklung. Das macht die Implantologie zu einer sicheren Therapie.
Die kleinen Hightech-Schrauben bestehen aus medizinischem Reintitan oder Zirkondioxid-Keramik. Diese sehr stabilen Materialien enthalten keine allergenen Bestandteile. Zudem verwächst Titan/Zirkondioxid fest mit dem Knochengewebe. Das ist eine wichtige Voraussetzung für den dauerhaften Halt. Ein Implantat besteht aus drei Teilen: Schraube, Verbindungsstück und der sichtbaren Krone. Die Schraube bildet die Ersatzwurzel. Das Verbindungsstück, das wie ein Zahnstumpf in die Mundhöhle hineinragt, heißt in der Fachsprache Aufbau (oder englisch: Abutment) und wird fest in der Titanschraube verankert.
Daran wird der Zahnersatz befestigt, zum Beispiel eine Krone. Man kann pro fehlenden Zahn ein Implantat setzen oder auch mehrere Zähne auf einem Implantat verankern. Mehrere künstliche Wurzeln dienen als Pfeiler für umfangreichere Brücken oder Prothesen.
Wie geht der Zahnarzt vor?
Nach einer umfangreichen Diagnostik, welche durch eine Modellanalyse und eine Röntgenauswertung unterstützt wird, werden zunächst die Implantatpositionen geplant.
Beim Implantationseingriff öffnet er das Zahnfleisch an der Stelle, an die das Implantat gesetzt werden soll. Der Einschnitt wird in der Regel vorgenommen, damit der Zahnarzt das vorhandene Knochenvolumen sowie die Knochenqualität vor der Implantation nochmals prüfen kann und einen sehr guten Blick auf die anatomischen Strukturen des Kieferareals hat. Im nächsten Schritt bohrt er ein kleines Loch vom Durchmesser des Implantates in den Kieferknochen, in welches das Implantat dann eingeschraubt wird. Dieser Eingriff verläuft sehr schonend für den Patienten und wird in der Regel nur unter einer örtlichen Betäubung vorgenommen. Ist die Ersatzwurzel im Kiefer, näht der Zahnarzt das darüber liegende Zahnfleisch zu. So kann die Schraube innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate richtig fest in den Knochen einwachsen. Während dieser Zeit erhält der Patient einen provisorischen Zahnersatz, so dass er ohne Lücke die Praxis verlässt. Ist das Implantat dann gut eingeheilt, wird seine Oberseite mit einem kleinen Schnitt frei gelegt. Das Verbindungsstück wird in die Schraube gesetzt, um daran den neuen Zahn zu befestigen.
Gibt es schnellere Möglichkeiten?
Mit der Methode der Sofortbelastung kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Patient noch rascher zu seinen neuen Zähnen kommen. Denn hier wird der Zahnersatz oder das Provisorium unmittelbar nach dem Einsetzen der Implantate an diesen befestigt, sodass der Patient oftmals noch am selben Tag mit den neuen Zähnen Essen gehen kann.
Ist das immer so einfach?
Die Titanschrauben benötigen einen festen Knochen für ihren sicheren Halt. Ist dieser zu weich oder zu dünn, baut der Zahnarzt den fehlenden Knochen wieder auf. Das ist meistens beim hinteren Oberkiefer-Knochen der Fall, weil dieser nicht hoch genug ist. Für den Aufbau wird mit körpereigenen Knochensplittern oder einem knochenersetzenden Material so schonend wie möglich gearbeitet. In der Regel geschieht dies in der gleichen Operation, in der auch das Implantat eingesetzt wird. In einigen Fällen kann ein separater ambulanter Eingriff notwendig sein. In solchen Fällen entscheidet sich der Zahnarzt in der Regel, die Implantate mit dem neu aufgebauten Knochen zunächst für drei bis sechs Monate vollständig wie oben beschrieben einheilen zu lassen, bevor sie später dann voll belastet werden können.
Was bewirken die Titanschrauben dauerhaft?
Die Zähne leiten ständig kleine Impulse in den Kiefer und stimulieren ihn. Fällt dieser Druck nach einem Zahnverlust weg, reagiert der Knochen wie ein Muskel, der nicht mehr trainiert wird: Er zieht sich zurück. Mit den künstlichen Zahnwurzeln wird der Knochen weiterhin wie bei natürlichen Zähnen belastet, bleibt ein Leben lang stabil und der Biss dauerhaft fest.
Eignen sich die künstlichen Wurzeln für Jedermann?
Grundsätzlich ja. Ist der Kiefer ausgewachsen, kann ein Implantat eingesetzt werden. Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Auch Diabetiker können sich implantologisch versorgen lassen, wenn sie optimal eingestellt sind. Wichtig ist es, den Arzt über mögliche Störungen der Blutgerinnung, einer Immunschwäche, Herzkreislauf-Beschwerden oder Erkrankungen des Stoffwechsels zu informieren.
Worauf sollte man achten?
Suchen Sie nur erfahrene Implantologen auf, die ihr Metier verstehen. Lehnen Sie Billig-Implantate ab und investieren Sie lieber in Qualitätsprodukte, die lange klinisch erprobt sind. Implantat ist nicht gleich Implantat. So ist beispielsweise die Oberflächentechnologie von Implantaten von entscheidender Bedeutung: Implantate mit einer mikroskopisch fein aufgerauhten Oberfläche wachsen zum Beispiel besser in den Knochen ein, als solche mit glatten Oberflächen. Und nur ein ausgereiftes Gewindedesign sorgt von Anfang an für die notwendige Stabilität im Kiefer und eine schonende Einbringung. Spezielle konische Aufbau-Implantat-Verbindungen verhindern Mikrobewegungen und damit das Eindringen von Bakterien, so dass der Knochen auch langfristig stabil und gesund bleibt, das Zahnfleisch nicht zurückgeht, keine Kronenränder sichtbar werden und so ein dauerhaft ästhetisches Ergebnis erzielt wird.
Autor: MSc Marten Jan Lindeman
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