Kieferorthopädie
Bei Rückenschmerzen auch an die Zähne denken
Fehlstellungen der Zähne können zu Verspannungen im Nackenbereich und Verdrehungen der Wirbelsäule führen.
Schöne, gesunde und gerade stehende Zähne machen attraktiv – und können zugleich ein wirksamer Schutz gegen Rückenschmerzen sein. Doch kaum jemand, der sich mit Schmerzen im Nackenbereich, in der Wirbelsäule oder gar in der Hüfte plagen muss, denkt an die Zähne als mögliche Ursache. Darauf weist das Informations- und Qualitätszentrum Zahntechnik (iq:z) – eine Initiative der Zahntechniker-Innungen Baden und Württemberg – hin. Schon das kleinste Ungleichgewicht beim Kauen kann zu Verspannungen im Nackenbereich, zu Kopfschmerzen oder Verdrehungen in der Wirbelsäule führen. Klarheit schafft am besten eine Vermessung der Beziehung zwischen Kiefergelenken, Zähnen und Muskulatur.
Die Kaumuskulatur ist über den Schädel mit der Rückenmuskulatur verbunden. In einem gesunden Gebiss werden die Zähne beim Kauen senkrecht belastet und die Belastung gleichmäßig auf den Kiefer verteilt. Jeder Zahn hat einen Kontakt zu einem Gegenzahn. „Beim Verlust eines Zahnes, bei schlecht sitzendem Zahnersatz, bei Fehlstellungen der Zähne oder zu hoch stehenden Füllungen aber kann dieses sensible System gestört werden“, erklärt Jochen Birk, Obermeister der Zahntechniker-Innung Württemberg. Das iq:z empfiehlt daher, bei Zahnersatz oder Füllungen auf Qualität aus zahntechnischen Meisterlaboren aus der Region zu achten: „Zahnarzt und Zahntechniker müssen Hand in Hand arbeiten, um ein optimales Ergebnis für den Patienten zu erzielen.“
Sobald der Gegenkontakt eines Zahnes nicht mehr optimal funktioniert, versucht die Kaumuskulatur des Unterkiefers dies auszugleichen, der Unterkiefer wird stärker belastet. Als Folge können sich Knochentaschen bilden, Zähne lockern oder Zahnhälse geschädigt werden. Nächtliches Zähneknirschen und Zungenpressen sind oft ein Anzeichen dafür, dass der Körper diese Überbelastungen ausgleichen möchte.
Auf Dauer kann sich die Instabilität im Gebiss aber auch im Rücken bemerkbar machen. Durch die Verkürzung der Kaumuskulatur, die sehr stark und relativ kurz ist, aber einen großen Hebel hat, verkürzen sich möglicherweise auch zwei Muskelgruppen, die eine Verdrehung der Wirbelsäule auslösen können. Sogar eine Verdrehung des Beckens ist möglich, was wiederum eine unterschiedliche Beinlänge hervorrufen kann. Auch eine Skoliose, eine seitliche Verschiebung der Wirbelsäule, kann durch zu weit überstehende Frontzähne, den sogenannten Kreuzbiss, ausgelöst werden. „Hier kann eventuell eine Aufbissschiene, die über mehrere Wochen getragen werden muss, Abhilfe schaffen“, erklärt Harald Prieß, Innungsobermeister in Baden. Vor allem bei jahrelangem Rückenleiden sollte man auch an die Zähne denken.
Quelle: Dentalzeitung today, Ausgabe 4/2007.
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