Parodontologie
Erkrankungen der Mundhöhle - es gibt mehr als man denkt
Die Mundhöhle ist ein wahres Paradies für Keime. Hunderte verschiedener Bakterien tummeln sich in diesem feuchtwarmen Milieu und vermehren sich mehr oder weniger ungebremst. Nicht alle sind für uns schädlich, aber es gibt doch einige, die unsere Mundschleimhaut angreifen. Über die häufigsten Erkrankungen, die Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und die Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) haben wir auf den ersten Seiten ja bereits ausführlich berichtet. Hier nun ein kleiner Überblick, welche weiteren Krankheiten, allerdings bei Weitem nicht so häufig wie die zuvor erwähnten, die Mundschleimhaut befallen können.
Soor
Durch Hefepilze der Gattung Candida albicans ausgelöste Pilzerkrankung der Haut oder Schleimhäute. Der normalerweise als „harmloser“ Schmarotzer in der Mundhöhle vorkommende Pilz kann bei geschwächter Abwehrkraft schwere Erkrankungen – bis hin zum tödlichen Ausgang – auslösen. Zu erkennen ist der Soor auf der Mundschleimhaut durch einen weißlichen Belag, welcher bei vorsichtigem Abwischen empfindliche, leicht blutende Defekte auslöst. Die Behandlung erfolgt je nach Erkrankungsform durch lokale (Salben, Ovula) oder intravenöse Verabreichung von speziellen Antimykotika, die das Pilzwachstum hemmen.
Stomatitis
Entzündung der Mundschleimhaut (nicht nur des Zahnfleisches). Es bilden sich gelblichweiße, leicht rotumrandete Pusteln und Bläschen (auch Aphthen
genannt) auf der Mundschleimhaut, die meist recht schmerzhaft sind. Auslöser sind Viren, Bakterien oder Pilze im Körper, die sich durch eine herabgesetzte
Abwehrfunktion des Körpers durch systemische Erkrankungen (z.B. Diabetes), Mangelerkrankungen, Immunstörungen oder auch Infektionskrankheiten ausbreiten können.
Mundfäule
Geschwürig, eitrige Entzündung der Mundschleimhaut, ausgelöst durch Bakterien bei reduziertem Allgemeinzustand des Organismus, wie bei Infektionskrankheiten, chronischen Vergiftungen oder Veränderungen des Blutbildes vorkommend. Charakteristisch sind ein unangenehmer Mundgeruch und grün-gelbliche, schmierige Beläge auf der Mundschleimhaut verbunden mit starken Schmerzen, Fieber und vermehrtem Speichelfluss. Häufig tritt auch ein Gewebeverlust der Zahnfleischpapillen auf.
Leukoplakie
Bei der Leukoplakie, auch Weißschwielenkrankheit genannt, kommt es zum Auftreten weißer, nicht abwischbarer Regionen in der Schleimhaut. Ursachen für die Entwicklung einer Leukoplakie der Mundhöhle sind insbesondere dauerhafte mechanische Reizungen – etwa durch schlecht sitzende Zahnprothesen – und chronischer Tabakkonsum, auch
Alkoholiker sind besonders gefährdet. Fortgeschrittene Leukoplakien neigen zur Entartung und Bildung von bösartigen Tumoren, so genannten Karzinomen, und sind die häufigsten Krebsvorstufen der Mundhöhle. Da diese Krankheit oft schmerzfrei verläuft, wird sie häufig nur durch Zufall vom Zahnarzt entdeckt. Bildet sich die Erkrankung nach der Beseitigung dieses ursächlichen Reizes nicht innerhalb weniger Wochen von allein zurück, müssen die betroffenen Bereiche in der Regel chirurgisch entfernt werden.
Mundhöhlenkrebs
Etwa 5% aller Karzinome entfallen auf die Mundhöhle. Damit steht diese Form des Krebses weltweit an 6. Stelle der am stärksten verbreiteten, bösartigen Erkrankungen. Hauptrisikofaktor ist das Rauchen gefolgt von Alkohol: Raucher, die keinen Alkohol zu sich nehmen, haben ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko im Vergleich zu Nichtrauchern; dieses Risiko erhöht sich 6- bis 15-fach, wenn ein übermäßiger Tabak- und Alkoholkonsum vorliegt (Alkohol erhöht die Durchlässigkeit der Mundschleimhaut, wodurch der krebserregende Tabakeffekt verstärkt wird). Ebenso sollen drei Schoppen Wein täglich bei Nichtrauchern genügen, das Risiko um den Faktor 13 zu steigern. Als Risikofaktoren werden weiter falsche Ernährung und mangelnde Mundhygiene angesehen. Eine regelmäßige Untersuchung durch den Zahnarzt hilft den Krebs frühzeitig zu erkennen und die Sterblichkeitsrate, die in Deutschland zurzeit bei ca. fünfzig Prozent der Erkrankten liegt, zu reduzieren.
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