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Hinter vorgehaltener Hand

Wie dem Mundgeruch die Luft ausgeht

Kennen Sie auch jemanden, der beim Sprechen meist den Mund bedeckt und seinen schlechten Atem dennoch nicht verbergen kann? Oder leiden Sie gar selbst unter Mundgeruch und wissen nicht, was Sie dagegen tun können? Der folgende Beitrag soll Betroffenen und ihrem Umfeld helfen, Tabus zu durchbrechen und den "Ausstieg" zu meistern. Denn gegen Mundgeruch kann man etwas tun!


Mundgeruch, oder wie es in der Fachsprache heißt: Halitosis, meint nicht etwa den kurzzeitig schlechten Atem durch den Genuss von Knoblauch, Zwiebeln oder Tabak. Der dauerhafte Mundgeruch hat tieferliegende Ursachen, deren Beseitigung die zugleich wirksamste Therapie gegen Mundgeruch darstellt.

Doch häufig merkt der Betroffene selbst gar nichts von seinem unangenehmen Mief, denn der Mensch gewöhnt sich an die ihn ständig umgebende Gerüche und blendet diese in seiner Wahrnehmung aus. Das naserümpfende Umfeld hingegen traut sich nicht das Problem anzusprechen, aus Angst den Betroffenen damit zu verletzen oder unhöflich zu erscheinen. Statt dessen wird geschwiegen oder im schlimmeren Fall gelästert und gemobbt. Dass eine Tabuisierung des Themas langfristig zur sozialen Abgrenzung führen kann, macht es umso wichtiger, aus der Spirale der Peinlichkeiten und Schamgefühle auszubrechen. Denn nur, wer um seinen Mundgeruch weiß, kann etwas dagegen tun.

Der Zahnarzt hilft
Aber an wen können sich Betroffene wenden? Häufig wird zunächst der Allgemeinmediziner aufgesucht, weil viele Menschen glauben, die Hauptursache für Mundgeruch wäre im Magen-/Darmbereich zu suchen. Doch das ist falsch. Zwar können auch eine Übersäuerung des Magens, Sodbrennen oder andere Magenerkrankungen zu unangenehmem Mundgeruch führen. Ebenso sind Diabetes, Abmagerungskuren, Zinkmangel oder Erkrankungen der Lungen und des HNO-Bereiches mögliche Auslöser. In etwa 80-90% der Fälle entsteht der schlechte Atem jedoch direkt in Mundraum und Rachen. Im Kampf gegen Mundgeruch sollten sich Betroffene also zunächst zahnärztlich untersuchen lassen. Einige Zahnmediziner bieten dafür so genannte Mundgeruchssprechstunden an. Diese geben dem Patienten einen Rahmen, in dem er seine Scham überwinden und zugleich professionelle Hilfe finden kann.

Ursachen
Ursache Nr. 1 ist eine falsche oder mangelhafte Mundhygiene. Speisereste und Beläge in Zahnzwischenräumen, Zahnfleischtaschen, auf der Zunge oder an defekten Rändern von Kronen und Brücken werden von den im Mund befindlichen Bakterien zersetzt. Die anschließend ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte enthalten u.a. flüchtige Schwefelverbindungen, die schuld am unangenehmen Geruch sind. Neben der schlechten Pflege von Zähnen oder Zahnersatz kann Halitosis auch durch Karies, Zahnfleischentzündungen, Parodontitis oder Entzündungen der Zahnwurzeln entstehen. Weitere mögliche Auslöser sind Infektionen des Mund- und Rachenraumes (z.B. Mandelentzündungen) oder ein trockener Mund, wie er durch Schnarchen, Mundatmung oder bestimmte Medikamente hervorgerufen werden kann.

Diagnose
Diagnostiziert wird Mundgeruch meist mithilfe von Atemmessgeräten, so genannten Halimetern. Sie messen den Anteil der Schwefelverbindungen in der Atemluft und können dadurch feststellen, ob ein Patient Mundgeruch hat oder nicht. Denn es gibt nicht nur Menschen, die ihren eigenen schlechten Geruch nicht wahrnehmen, es gibt auch solche, die sich diesen nur einbilden. Liegt ein Halitosis vor, wird nach dessen Ursache gesucht. Hier können Atemmessgeräte keine Aussage treffen. Erfahrene Zahnärzte vermögen die Ursache mitunter aber durch ihren eigenen Geruchssinn zu diagnostizieren. Dieser Versuch scheitert allerdings, sobald der Behandler selbst unter Mundgeruch leider oder einen Schnupfen hat. In einer Untersuchung von Zähnen und Zahnfleisch ermittelt der Zahnarzt dann, ob etwaige Erkrankungen wie Karies oder Parodontitis vorliegen, die für den Mundgeruch verantwortlich sind.
Schließt der Zahnarzt Ursachen im Mundraum aus, sollte der Patient zunächst einen Facharzt für HNO und später einen Internist und Lungenspezialisten zu Rate ziehen.

Therapie
Ist die Ursache erst einmal geklärt, ist die Behandlung von Halitosis in vielen Fällen einfach. Mit der erfolgreichen Therapie aller verursachender Erkrankungen verschwindet auch der Mundgeruch. Um den frischen Atem langfristig zu erhalten, sollte unbedingt auf eine gründliche Mundhygiene geachtet werden. Der Zahnarzt oder die Prophylaxe-Helferin erklären dem Patienten gern die richtige Putztechnik und weisen ihn in die Benutzung von Hilfsmitteln wie Zahnseide und Zungenschabern ein. Zudem sollten turnusmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt eingehalten und unterstützend zur häuslichen Mundpflege auch eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung in Anspruch genommen werden.

Hilfsmittel
Kurzzeitige Hilfe können zuckerfreie Kaugummis schaffen, da sie den Speichelfluss anregen. Zuckerhaltige Pfefferminzbonbons hingegen überdecken den Mundgeruch nur und liefern den Bakterien neues "Futter". Zu Beginn der Behandlung können Mundspüllösungen unterstützend helfen, die Bakterienzahl im Mund zu minimieren. Sie sollten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum und nicht von Kindern eingenommen werden. Bestenfalls wird die Anwendung von Mundspüllösungen mit dem Zahnarzt abgesprochen.

Fazit
Mundgeruch ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern häufig auch Auslöser für soziale Ausgrenzung. Freunde wenden sich ab, Kollegen lästern hinter vorgehaltener Hand und im schlimmsten Fall weiß der Betroffene gar nicht um seinen übelriechenden Atem. Angehörige sollten in diesem Fall auf falsche Höflichkeiten verzichten und einen Weg suchen, den Betroffenen diskret auf seinen Mundgeruch hinzuweisen. Wie bei so vielen Dingen im Leben ist auch beim Thema Mundgeruch der erste Schritt der schwerste. Aber er lohnt sich! Denn ist dieser erst einmal getan und die Scham überwunden, kann der Zahnarzt den Halitosis diagnostizieren und meist einfach und erfolgreich therapieren. Sind die Ursachen behandelt, bleibt der Atem mit entsprechenden Mundhygienemaßnahmen lange frisch.

 

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